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Zum Gedenken an unsere ehemaligen jüdischen Einwohner...

Veröffentlicht am 08.12.2013
 
In Altenschönbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1703 und 1718 jüdische Bewohner am Ort genannt. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts dürfte eine Gemeinde mit eigenen Einrichtungen entstanden sein.

    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 141 jüdische Einwohner (28,3 % von insgesamt 499 Einwohnern), 1867 114 (21,9 % von 520), 1880 100 (18,1 % von 553), 1890 64 (13,9 % von 459), 1900 51 (11,5 % von 442), 1910 35 (7,8 % von 451).  
   
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Altenschönbach auf insgesamt 39 Matrikelstellen (einschließlich der Nachträge bis 1826) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen): 

 Hayum David Singer, Abraham David Reiß, Wolf Abraham Reiß, Löw Josel Rosentheil, Isaac Josel Rosentheil, Moses Schwarz, Isaac Hirsch Engel, Oscher Isaak Blumenthal, Löw Nahum Straus, Abraham Löw Neuburger, Joseph Nathan Epstein, Feist Löw Kohn, Salomon Isaac Scherrmann, Isaac Gump Sachs, Abraham Gump Sachs, Kallmann David Reiß, Wolf Moses Schwarz, Davide Abraham Goldschmidt, Seligmann Isaac Kohn, Hirsch Wolf Frank, Hanne Blumenthal, Moses Mayer Kornmann, Mayer Koppel Uhlfelder, Isaac Löw Neuburger, Abraham Isaac Neuburger, Löw David Reiß, Eisig Löw Reiß, Hirsch Marx Stern, Mayer Hirsch Stern, Lämmlein Schwarz, Vogel Rosentheil, Kalmann Sandel Braun, Löw Karlsruher (Judenlehrer von Gerolzhofen), Joseph Isaak Kohn, Moses Kallmann Reiss (Güterbesitz und Hopfenhandel, seit 1820), David Reis (Farbwarenhandel, ab 1822), Moses Joseph Eppstein (Feldbau und Handel mit inländischen Produkten, seit 1823), Wolf Koppel Wolfsheimer (Metzger, seit 1826). 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Gerolzhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (Ausschreibungen der Stelle siehe unten). Im 19. Jahrhundert wirkten über längere Jahre die LehrerSamuel Kahn (1852-1871) sowie Joseph Silbermann (bis 1896). Die jüdische Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Schweinfurt.

In der Synagoge wurde ein 1795 begonnenes Totengedenkbuch aufbewahrt.    

  

Um 1924, als noch 24 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (5,33 % von insgesamt 450), war Vorsteher der Gemeinde ein Herr Gutmann. 1932 war 1. Vorsteher der Gemeinde L. Rosenthal. Als Schatzmeister und Schriftführer wird R. Blüte genannt. 
    
1933 wurden noch 15 jüdische Einwohner am Ort gezählt (3,6 % von insgesamt 421). Bis 1935 verließen nur zwei der jüdischen Einwohner den Ort: einer zog nach Siegendorf, ein anderer nach Plauen. BeimNovemberpogrom 1938 kamen vier SS-Leute in Zivil aus Kitzingen, vernichteten unter Mithilfe von SA-Männern und Kindern aus dem Ort die Inneneinrichtung der Synagoge und durchsuchten die jüdischen Häuser nach Dokumenten, verbotener Literatur und Waffen. Einige der jüdischen Einwohner wurden festgenommen und in das Gefängnis nach Gerolzhofen gebracht. Die Frauen wurden am folgenden Tag freigelassen, die Männer über eine Woche festgehalten. Ein jüdischer Mann wurde in das KZ Dachau verbracht, ein jüdisches Ehepaar kam erst in das Rathaus von Prichsenstadt, von dort gleichfalls in das Gefängnis nach Gerolzhofen.1939/40 verzogen einige Gemeindeglieder nach Frankfurt und andere Orte. Anfang 1942 lebten noch sechs jüdische Personen am Ort, von denen fünf am 22. April 1942 nach Würzburg und drei Tage später nach Izbica bei Lublin deportiert wurden. Der letzte jüdische Einwohner kam in das Altersheim nach Würzburg, von dort am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt. 

    
Von den in Altenschönbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): 

Philipp Blüthe (1909)

Karola Bolley geb. Blüthe (1908) 

Regine Fried geb. Schwarz (1866)

Luise Grünlaub (1880) 

Siegfried Gutmann (1896)

Sara Hahn geb. Kuhn (1870) 

Philipp Kuhn (1889)

Julius Pulfer (1879) 

Max Ludwig Reis (1883)

Rosa Rosenbaum (1863)

Julius Rosenthal (1878)

Flora Schrabacher geb. Krakenberger (1866)

Simon Schwarz (1873) 

Rosa Schwed (1887)

Elise Traubel (1938)

Louis (Ludwig) Traubel (1895)

Marta Traubel geb. Stein (1902)
    

Beim Novemberpogrom 1938  wurde die Synagoge von vier SS-Leuten aus Kitzingen geschändet, die Inneneinrichtung zerstört. Die SS-Leute waren in Zivil aus Kitzingen nach Altenschönbach gekommen. Sie zerschlugen ein Fenster im Erdgeschoss des Gebäudes, drangen ein und zertrümmerten mit Unterstützung von SA-Männern und Kindern aus dem Dorf Fenster und Möbel, warfen die Ritualien auf einen Haufen und verbrannten sie. 
 
1949/50 fanden zwei Prozesse in Schweinfurt gegen insgesamt 21 der beim Novemberpogrom 1938 in Altenschönbach Beteiligten statt. 19 von ihnen wurden freigesprochen. Einer erhielt eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten, ein anderer ein Jahr und neun Monaten. 

Das Gebäude der Synagoge blieb erhalten und wurde zu einem bis heute bestehenden Wohnhaus umgebaut. Das Gebäude ist in seiner Bausubstanz weitgehend erhalten. Auch die Originalfenster sind erhalten, teilweise zugemauert. Es handelt sich bis heute um ein im Dorf auffallendes Gebäude. Als "ehemalige Synagoge, zweigeschossiger Walmdachbau, mit sich verjüngenden Tür- und Fensteröffnungen, Mitte 19. Jh." ist das Gebäude auch eingetragen in die Liste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.