Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Ein Teil unserer Geschichte...

9. DVAG Cup 

für Fußball-Jugendmannschaften

2. - 3.06.2018

Stadtpokal 

am 08.07.2018

in Altenschönbach

Dorffest

 

und vieles mehr...

Schafkopfrennen

am 29.12.2018

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde...

Veröffentlicht am 07.12.2013

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1900:

"VakanzIn der Gemeinde Altenschönbach, Bezirksamt Gerolzhofen, ist die Stelle eines israelitischen, seminaristisch gebildeten Religionslehrers, verbunden  mit dem Vorbeter- und Schächterdienste, baldigst zu besetzen; Gehalt inklusive Nebenverdienst ca. 1.100 Mark bei freier Wohnung; Bewerber wollen ihre Zeugnisabschriften einsenden an den Vorstand H. Frank"

 

 

 

 

 

Offenbar war die Stelle nach der Ausschreibung Anfang 1900 nicht leicht zu besetzen. Im Herbst 1900 finden sich Ausschreibungstext mit einem erhöhten Gehaltsangebot. Der Vorbeter wird hierin als "Kantor" bezeichnet.

 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1900: "Lehrerstelle. 
Die israelitische Gemeinde Altenschönbach, Bezirksamt Gerolzhofen sucht einen Lehrer, Kantor und Schochet. Gehalt inklusive Nebenverdienste ca. 1.200 bis 1.300 Mark, bei freier Wohnung. Bewerber wollen ihre Zeugnisabschriften einsenden. H. Frank, Vorstand."

 

 

 

 

Zum Tod des Lehrers Samuel Kahn (1891, Lehrer in Altenschönbach von 1852 bis 1871)

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1891: "Niederwerrn (Bayern), Januar (1891). Unsere Gemeinde ist in tiefe Trauer versetzt worden. Sie hat ihren langjährigen Lehrer und Leiter verloren, sie hat einen treuen Berater, einen guten Freund eingebüßt. Herr Elementarlehrer Samuel Cahn hat am 17. Schebat nach mehrwöchentlichem Leiden im Alter von 82 Jahren uns verlassen. Im Jahre 1808 in Kleinbardorf geboren, wurde er von seinem Vater, der ein sehr gottesfürchtiger Mann und ein bedeutender Toragelehrter gewesen, in der Wissenschaft unserer heiligen Religion unterwiesen und zum Lehrfache bestimmt. Mit einem reichen Fond talmudischen Wissens, den man leider heute immer seltener auf dem Lande antrifft, trat er in die Lehrpraxis ein, nachdem er das Lehrerseminar in Würzburg absolviert hatte, und volle 50 Jahre hat der pflichttreue Mann in seinem Berufe ausgehalten. Zuerst war er zwei Jahre als Lehrer in Rieneck tätig, alsdann 9 Jahre in Kleineibstadt, hierauf 19 Jahre in Altenschönbach, wo er gleichzeitig die Funktion eines Religionslehrers in dem Zuchthause in Klosterbrach ausübte, schließlich wurde er von der Regierung als Elementarlehrer nach unserer Gemeinde versetzt, wo er 20 Jahre tätig gewesen. 
Wahrlich unsere Gemeinde betrachtete es damals als ein Glück, dass gerade Samuel Cahn ihr Lehrer wurde. Denn seit langer Zeit war Niederwerrn die Heimstätte bedeutender Lamdonim gewesen; nachdem nun in dem Rabbinatskandidaten J. Friedrich - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -, der die Stelle des Lehrers inne hatte, einer der letzten zu Grabe getragen, und auch der Rabbinatssitz endgültig nach dem benachbartenSchweinfurt von der Königlichen Regierung verlegt worden war, war man froh, in Samuel Cahn einen streng seminaristisch gebildeten Lehrer bekommen zu haben, der auch 

im Gebiete der Tora und des Talmuds kein Fremdling war. Und er verstand es auch den reichen Schatz seiner Midraschkenntnisse in populärer, anziehender Form in seinen Lehrvorträgen, deren er an jedem Sabbat drei hielt, seiner Gemeindezugänglich zu machen, die stets mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Erklärungen lauscht. Er war ein

pflichttreuer Mann, der - und das muss besonders hervorgehoben werden - in seiner Schule über den Elementarunterricht niemals den Religionsunterricht vergessen hat, der oft genug die für den Unterricht vorgeschriebene Stundenzahl überschritten hat. Er war ein freundlicher, sanftmütiger Mann, der vor allem auch bei seinen nichtjüdischen Mitbürgern einen hohen Graf von Beliebtheit sich zu erringen verstand. Er war ein wohltätiger Mann, der nicht nur gerne gab, sondern vor allem ohne Aufsehen spendete.

Und dass man von diesem seinem Werte allgemein durchdrungen, das bewies unumstößlich sein Leichenbegängnis. Seit den hohen Festtagen litt der Verstorbene an einer heftigen Gelbsucht, die zu überwinden seine Kräfte nicht mehr ausreichten. Er reichte bei der Königlichen Regierung sein Ruhegesuch ein; aber bevor diese sie ihm bewilligt hatte, hat ihn Gott zu einer ungestörten Ruhe abberufen. An seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die christliche Bevölkerung des Ortes, die Freunde aus Nah und Fern, die Amtskollegen der ganzen Umgegend. Beim Abschied vom Hause sprach zuerst Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt in wenigen Worten, dass die Gemeinde, wie sie dem Toten bei seinem Einzug vor 20 Jahren ein Baruch Ata beworech (Gesegnet seist du bei deinem Kommen!) zugerufen, ihm heute ein wehmutsvolles Uwaruch ata bezetcha (und gesegnet seist du bei deinem Weggehen!) zugerufen berechtigt sei, nachdem der Verstorbene die Krone des guten namens sich erworben habe. Herr Distriktsschulinspektor Dr. Kranpold schilderte im Anschluss an Hiob 5,26 die Erfolge seiner Lehrtätigkeit, Herr Pfarrer Hellmut auf Grund Sprüche 10,7 seine große Beliebtheit bei den Angehörigen aller Konfessionen. Am Grabe zu Euerbach schilderte Herr Dr. Stein in längerer Rede die Schwierigkeit des Lehrberufes, besonders in unserer Zeit, wo der Zwiespalt zwischen Schule und Haus bereits auch auf dem lande sich geltend mache, und wies darauf hin, dass die bloße Tatsache einer 50jährigen Tätigkeit in diesem Amte dem Verstorbenen den Danke der Gemeinde sichere.
Hoffen wir, dass die Königliche Regierung, die alle Zeit auf die berechtigten Wünsche der Gemeinde Rücksicht nimmt, uns einen Mann senden wird, der auch nach seiner religiösen Bildung einen vollwertigen Ersatz für Samuel Kahn bietet. Dem Verstorbenen wird die Gemeinde zu allen Zeiten ein dankbares Andenken bewahren! Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 

Artikel in der Zeitschrift "Der Istaelit" vom 31. Dezember 1896:

 

 "Aus Unterfranken. Ein sehr verdienter, würdiger Lehrerveteran ist in dem vergangene Woche zu Wiesenfeld verblichenen Lehrer Joseph Silbermann zu Grabe getragen worden. Fast achtzigjährig hatte derselbe erst vor wenigen Wochen sich auf dem Berufsleben zurückgezogen und war von Altenschönbach, seinem letzten Wirkungskreis, nach Wiesenfeld zu seinen Kinder übergesiedelt, wo ihm nur noch eine kurze Frist der wohlverdienten Ruhe beschieden war. 60 Jahre lang stand er mit vollem Eifer und ungeteilter Hingabe im Dienste des religiösen Erzieherberufes. Die Resultate, die er erzielte, waren an jeder Stätte seiner Wirksamkeit außerordentlich erfreulich. In Westheim bei Haßfurt geboren, hat der Verblichene bei verschiedenen, bedeutenden Lehrern und Rabbinern, unter anderem auch in Höchberg, sich hervorragende Kenntnisse in Tanach (Bibel) und Talmud (wörtlich abgekürzt: sechs Ordnungen) angeeignet. Er fungierte hierauf 10 Jahre als Lehrer in Weimarschmieden,Oberstreu und Schwebheim, dann, nachdem er mit ausgezeichneten Noten sein staatliches Lehrerexamen abgelegt hatte, volle 50 noch in den beiden Gemeinden Gochsheim und Altenschönbach. Ein tüchtiger Pädagoge, von seinen Vorgesetzten, den Rabbinern und den staatlichen Inspektoren, zu allen Zeiten geehrt und ausgezeichnet, war er ein sprechender Beweis dafür, dass die, die mit der Jugend leben, stets jung bleiben. Vor dem Ärger und Kummer, den ihm in früheren Jahren oftmals missliche Gemeindeverhältnisse bereiteten, flüchtete er sich in das Heiligtum seiner Schule, die ihm stets wieder frischen Mut und Lebensfreudigkeit gewährte; in diesem Heiligtum verwand er auch den Schmerz über den Tod der ihn um viele Jahre früher entrissenen Gattin. Die Betrachtung des Werkes des Verblichenen erschöpfen wir keineswegs mit dem Hinweis, dass derselbe auch in allen Elementarfächern, in kaufmännischen Disziplinen, in Realien etc. großes Wissen besaß, die ihn befähigten, eine große Reihe von Zöglingen, die sich jetzt in hervorragenden Stellen befinden, für alle Mittelschulen mit Erfolg vorzubereiten, sondern wir legen unbedingt den Nachdruck darauf, dass er als Lehrer ein Lamden gewesen, eine Verbindung zweier Eigenschaften, die wir in unserer Tora-armen Zeit leider nur zu selten antreffen. Seine ganze freie Zeit widmete Silbermann dem 'Lernen' zumal in den letzten Jahren, da seine bereits sehr dezimierte Schule ihm viel freie Zeit gewährte, konnte man ihn immer über der Gemara oder demMidrasch antreffen. 

Und dieses beständige Aufgehen in den Quellen, gab auch seinem einfachen Religionsunterricht einen eigenen Reiz und verlieh ihm seltenen Wert. 
Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass die gleiche Gewissenhaftigkeit, wie bei der Ausübung seines Lehrerberufes, ihn auch in seinem Amte als Schochet und Schaliach Zibbur auszeichnete. Gerade als Baal Tefillawar er würdig, wie irgend einer: Jeder, auch der es nicht verstand, konnte bei seinem Gebetsvortrag fühlen, wie sein Vortrag auf richtigem Verständnis beruhte und aus dem Quell tiefsinniger Andacht hervordrang. 
Sein Heimgang bedeutet auch für die Allgemeinheit einen Verlust, da solche Männer, solche Lehrer eben leider auszusterben drohen, er ist vor allem für die Gemeinden seiner Wirksamkeit schmerzvoll, da man durch die Bande aufrichtiger Dankbarkeit sich mit ihm verbunden fühlte. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes sein!